{"id":255,"date":"2019-01-30T10:58:34","date_gmt":"2019-01-30T10:58:34","guid":{"rendered":"http:\/\/signitforward.wpengine.com\/?p=255"},"modified":"2019-01-31T08:58:54","modified_gmt":"2019-01-31T08:58:54","slug":"56-57-forschung-und-fakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/signitforward.com\/de\/56-57-forschung-und-fakten\/","title":{"rendered":"56-57 Forschung und Fakten"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8221;1\/1&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h1><strong>Forschung und Fakten<\/strong><\/h1>\n<h2><strong>Geschichte<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Schon seit einigen hundert Jahren gibt es Versuche, Bilder und grafische Symbole zur Kommunikation zu nutzen, immer mit dem Ziel, Menschen ohne Lautsprache aus ihrer Isolation zu befreien. Inzwischen hat diese Form der Kommunikation einen Namen \u2013 UK (Unterst\u00fctzte Kommunikation). Heute existieren viele verschiedene Formen von Unterst\u00fctzter Kommunikation, z. B. Piktogramme, PCS-, Rebus-, Bliss-Symbole und Geb\u00e4rden. F\u00fcr Menschen, die eine Kommunikationshilfe brauchen und keine gravierenden motorischen Einschr\u00e4nkungen der H\u00e4nde haben, sind Geb\u00e4rden in vielen L\u00e4ndern die g\u00e4ngigste UK-Variante.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon immer hat es Menschen gegeben, denen ganz oder weitgehend die F\u00e4higkeit fehlte, Lautsprache zu produzieren, entsprechende Kommunikationshilfen sind jedoch kaum dokumentiert. Die historischen Wurzeln heutiger Forschung und Praxis auf dem Gebiet der Unterst\u00fctzten Kommunikation liegen im Europa des 18. Und 19. Jahrhunderts. Damals gab es verschiedene Bestrebungen, Alternativen zur Lautsprache zu finden, um Menschen mit schweren Kommunikationsst\u00f6rungen das Leben zu erleichtern und ihre Isolation zu durchbrechen. Der fr\u00fche Einsatz grafischer Symbole als Alternative oder Erg\u00e4nzung zur gesprochenen Sprache ist in Autobiografien behinderter Personen belegt, aber die systematische Nutzung von Kommunikationshilfen durch andere als Geh\u00f6rlose erfolgte erst gegen Ende 1960. Bei der Einf\u00fchrung von Geb\u00e4rden f\u00fcr H\u00f6rende, parallel mit dem Durchbruch der Geb\u00e4rdensprache in den 70er Jahren, richtete man sich vor allem an Menschen mit geistigen Behinderungen. Geb\u00e4rden werden in den verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern in sehr unterschiedlichem Ma\u00dfe genutzt. Sicher hat eine positive Einstellung zur Geb\u00e4rdensprache ma\u00dfgeblich zur Einf\u00fchrung von Geb\u00e4rden f\u00fcr H\u00f6rende beigetragen. Vor allem in Nordamerika, Skandinavien und Gro\u00dfbritannien macht sich diese positive Haltung bemerkbar, und dementsprechend werden Geb\u00e4rden in diesen L\u00e4ndern auch h\u00e4ufiger eingesetzt als grafische UK-Systeme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entnommen aus dem Buch <strong><em>Augmentative and alternative communication. European perspectives<\/em><\/strong> (1997) von Stephen von Tetzchner, Professor f\u00fcr Psychologie an der Universit\u00e4t Oslo\/Norwegen, und Mogens Hygum Jensen, Lektor an der p\u00e4dagogischen Hochschule in Esbjerg\/D\u00e4nemark.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Forschung<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Viele Eltern und P\u00e4dagogen k\u00f6nnen bezeugen, dass Geb\u00e4rden die Kommunikations- und Sprachentwicklung von Kindern f\u00f6rdern.\u00a0 Dar\u00fcber hinaus haben sich eine Anzahl von Fachleuten auf dem Gebiet der Sprach- und Kommunikationsforschung wissenschaftlich mit dem Thema Geb\u00e4rden besch\u00e4ftigt. In diesem Kapitel stellen wir die bisherigen Forschungsergebnisse kurz vor.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ir\u00e9ne Johansson<\/strong> hat 1987 gezeigt, dass sich Kleinkinder mit Down-Syndrom mithilfe von Geb\u00e4rden viel fr\u00fcher ausdr\u00fccken k\u00f6nnen als lautsprachlich, wenn Ihnen lautsprachbegleitend Geb\u00e4rden vermittelt werden. Auf diese Weise wird den Kindern Kommunikation und Sprachentwicklung erm\u00f6glicht, obwohl sie noch nicht sprechen k\u00f6nnen. Keines der Kinder blieb im Geb\u00e4rdenstadium \u201eh\u00e4ngen\u201c, sondern die Geb\u00e4rdenkommunikation erwies sich vielmehr als ein schnellerer Weg zur Sprache. Der lautsprachliche Wortschatz folgte der Entwicklungskurve f\u00fcr Geb\u00e4rden mit einem Jahr Verz\u00f6gerung.<\/p>\n<p>Ir\u00e9ne Johansson konnte auch zeigen, dass Kinder, die Geb\u00e4rden und Sprachtraining erhalten, \u00fcber einen gr\u00f6\u00dferen Wortschatz verf\u00fcgen als Kinder, die keine Hilfestellung durch die Anwendung von Geb\u00e4rden vermittelt bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ir\u00e9ne Johansson<\/strong>, emeritierte Professorin f\u00fcr Phonetik und Sonderp\u00e4dagogik, Universit\u00e4t Ume\u00e5 und Karlstad\/Schweden. Gr\u00fcnderin des \u201eKarlstadmodells\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kaisa Launonen<\/strong> hat ebenfalls im Rahmen einer Studie gezeigt, dass Geb\u00e4rden bei Kindern mit Down-Syndrom zu einer verbesserten Sprachentwicklung f\u00fchren und da\u00df die geb\u00e4rdenden Kinder \u00fcber einen deutlich gr\u00f6\u00dferen lautsprachlichen Wortschatz verf\u00fcgen. Launonens Studie verfolgt die Entwicklung der Kinder \u00fcber mehrere Jahre und macht deutlich, da\u00df die geb\u00e4rdende Gruppe ihren Vorsprung in Bezug auf die (Laut)sprachentwicklung, einschlie\u00dflich Lese- und Schreibf\u00e4higkeiten, auch sp\u00e4ter beibeh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kaisa Launonen<\/strong>, Professorin f\u00fcr Logop\u00e4die, Institut f\u00fcr Sprechwissenschaft, Universit\u00e4t Helsinki\/Finnland<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Text im Diagramm: tecken<\/em> = Geb\u00e4rden; <em>tal<\/em> = Lautsprache<\/p>\n<p>Variation des aktiven Wortschatzes (Geb\u00e4rden bzw. Lautsprache) bei 58 Kindern mit Down-Syndrom im Alter von 13-27 Monaten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geb\u00e4rden helfen Kindern, fr\u00fcher zu kommunizieren. Wenn sich die Lautsprache einstellt, dauert es nicht lange, bis sie die Geb\u00e4rden ersetzt.<\/p>\n<p><em>Text im Diagramm<\/em><em>: \u00e5lder<\/em> = Alter; <em>tecken<\/em> = Geb\u00e4rden; <em>tal<\/em> = Lautsprache<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8221;1\/1&#8243;][vc_column_text] Forschung und Fakten Geschichte Schon seit einigen hundert Jahren gibt es Versuche, Bilder und grafische Symbole zur Kommunikation [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":138,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-255","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-kleine-buch-ueber-gebaerden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/signitforward.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}